Karrierefrau mit Familiensinn

INTERVIEW MIT CHRISTIANE FASTENAU, LEITERIN EXPORT-MARKETING
STAND 2012

Kind und Karriere: Viele Frauen stellen sich die Frage, wie das funktionieren kann. Christiane Fastenau ist Mutter eines Sohnes und einer Tochter im Alter von neun und zwölf Jahren. Seit zwei Jahren leitet sie den Bereich Export- Marketing in Teilzeit und hat sich damit einer Arbeit verschrieben, bei der häufige Auslandsreisen dazugehören. „Vieles ist möglich“, sagt sie, „wenn das gesamte Paket stimmt.“

Themen Dieses Artikels


Vereinbarkeit von Beruf und Familie


Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice


Internationale Möglichkeiten

Frau Fastenau, Sie betreuen in Ihrem Bereich gemeinsam mit einem Mitarbeiter 38 Export-Länder. Sie reisen viel um die Welt und haben einen ausgefüllten Job, obwohl Sie zwei Kinder haben. Sind Sie die „Ursula von der Leyen“ von Gira?

CF: Nein, ganz bestimmt nicht, das fehlte mir noch. Ich habe ja auch nur zwei und nicht sieben Kinder.

Viele Frauen beschäftigen sich mit der Frage, wie die Schere zwischen Kind und einem Beruf, der auch Erfüllung bietet, klappen kann. Wie funktioniert das bei Ihnen?

CF: Ich würde sagen, das ist eigentlich das gesamte Paket. Bei uns zu Hause wird das Thema Familie gelebt. Mein Mann unterstützt mich, der ist selbstständig und kann sich die Termine auch mal so einteilen, wie ich das brauche. Dazu kann ich immer auf meine Mutter, die Schwiegereltern und meine Schwester zurückgreifen, die die Tagesmutter für meine Kinder ist. Auf der anderen Seite habe ich aber auch das Unternehmen Gira, das mir überhaupt die Chance gegeben hat, diese Position in Teilzeit auszufüllen.

Das empfinden Sie als Chance und nicht als Selbstverständlichkeit?

CF: Ja, das sehe ich als Chance, denn es muss ja von der Organisation her erst mal möglich sein, 20, 25 oder 30 Stunden zu arbeiten, und davon noch zwei Tage die Woche zu Hause. Wichtig ist vor allem, dass ich an möglichst vielen Arbeitssitzungen teilnehmen kann.

Wie sieht Ihre Woche genau aus?

CF: Ich arbeite momentan 35 Stunden die Woche. Montags und mittwochs bin ich den ganzen Tag und freitags den halben Tag im Unternehmen. Dienstags und donnerstags arbeite ich im Homeoffice. Dieser Rhythmus ist auf die Stundenpläne der Kinder abgestimmt und kann auch schon mal wechseln.

Wie kommen Ihre Kunden damit zurecht?

CF: Meine Kunden haben sich daran gewöhnt. Sie wissen, wie ich arbeite, und rufen auch zu Hause an. Mit vielen bin ich mittlerweile sowieso recht nahe. Sie kennen meine Kinder, und im Gegenzug weiß ich, wann der Dackel meiner Kunden Geburtstag hat oder wenn jemand im Krankenhaus liegt. Das ist eingespielt und macht auch darum die Sache leichter.

Also läuft alles meistens harmonisch und reibungslos?

CF: Mein Abteilungsleiter schluckt schon manchmal, wenn ich mittendrin gehen muss. Dann ist es zum Beispiel kurz nach vier, und um halb fünf muss ich meine Tochter von der Musikschule abholen. Das ist ein fixer Termin, da kann ich nicht eine halbe Stunde später da sein. Mir ist da nie ein Vorwurf gemacht worden, aber natürlich ist das für meinen Chef trotzdem manchmal eine Herausforderung. Auf der anderen Seite versuche ich, zu 100 % verlässlich zu sein, also darauf zu achten, dass ich mein Pensum schaffe und die Ergebnisse stimmen. Es ist immer ein Geben und Nehmen.


Christiane Fastenau mit Katharina [12] und Laurenz [9] auf dem heimischen Sofa. „Nach den Schwangerschaften habe ich jeweils mit 20 Stunden wieder angefangen und dann nach Alter der Kinder gesteigert. Bei Gira ist das möglich, diese Flexibilität war schon immer eine Grundhaltung des Unternehmens.“


Und für Ihren Mitarbeiter ist das keine Herausforderung?

CF: Mein Mitarbeiter Herr Keup muss akzeptieren, dass seine Vorgesetzte nicht jeden Tag da ist. Wir telefonieren aber täglich und tauschen uns aus. Gerade haben wir noch über das Thema gescherzt: „Dienstags“, sagt er, „ist es hier immer locker, dann bist du ja nicht da“. Ich weiß, dass es für ihn nicht locker ist. Natürlich ist das auch für ihn eine Umstellung gewesen.

Ihre Kinder sind jetzt neun und zwölf Jahre alt. Das bedeutet, Sie arbeiten jetzt seit rund elf Jahren genau so?

CF: Die Einstellung, diese Flexibilität war immer eine Grundhaltung des Unternehmens, das war selbstverständlich, ohne von der Geschäftsführung groß thematisiert worden zu sein. Ich habe auch vor zwölf Jahren schon die Möglichkeit bekommen, für ein Jahr auszusteigen, und danach meine bisherige Aufgabe wieder aufzunehmen. Auch damals habe ich schon von zu Hause gearbeitet. Heute nennen wir das Vertrauensarbeitszeit und haben das in der Betriebsvereinbarung geregelt. Die Möglichkeit gab es für mich bei Gira aber schon immer.

Normal war das für die Zeit nicht, oder?

CF: Nein. Normal war damals, dass die Mütter zu Hause blieben und die Kinder versorgten. Da gab es auch schon mal ein paar ältere Arbeitskollegen, die sich einen Spruch nicht verkneifen konnten.

Von den Frauen kam nichts?

CF: Nein, von denen eher nicht, die wussten ja alle, früher oder später komme ich in die gleiche Situation, dann muss ich mich auch entscheiden. Die Männer haben ja meistens die Komfort- Variante: Die Frau ist zu Hause, sie verdienen das Geld. Das ist easy.

Wie machen Sie das, wenn Sie verreisen?

CF: Ich habe das eine Zeit lang eingeschränkt, als die Kinder kleiner waren. Seit einiger Zeit nimmt das wieder zu. Weil das natürlich auch leichter geht, wenn die Kinder größer werden.

Reisen Sie nach all den Jahren noch immer gerne?

CF: Ja. Zwei Wochen China, wer will das nicht?

Wo waren Sie dort überall?

CF: In China war ich mittlerweile vier Mal. Die letzte Reise ging von Peking, Tianjin, Schanghai, Xiamen, Guangzhou, Chongqing nach Xian …

Das klingt anstrengend.

CF: Ja. Aber egal. Man kann nicht immer nur per Telefon miteinander kommunizieren. Irgendwann im Leben muss man sich auch mal treffen. Das hat viel mit Achtung und Respekt vor dem anderen zu tun. Ich kann nicht internationales Marketing machen und dann nicht reisen. Reisen gehört einfach dazu.

Was gehört konkret zu Ihren Tätigkeiten, wenn Sie unterwegs sind?

CF: Ich besuche Messen, führe Planungsgespräche für das Marketing beim Importeur, manchmal gehe ich auch auf eine Baustelle und unterhalte mich mit dem Architekten. Und dann möchte ich mir auch ein generelles Bild von den Ländern verschaffen und wissen: Wie wird dort überhaupt Marketing gemacht? Dazu gehe ich durch die Straßen, fotografiere und schaue mir an, welche Ausstellungen, Geschäfte und Medien es gibt, welche Kooperationen möglich sind. Man stößt teilweise auf Dinge, die so in Europa nicht üblich sind.

Auf welche denn zum Beispiel?

CF: In China gibt es zum Beispiel kleine Bildschirme, die man nicht abstellen kann, in den Kopfstützen der Taxen oder auch in der Bahn, auf denen Werbung mit Ton läuft. Da muss man einfach hinschauen.

Sprechen Sie 37 Sprachen?

CF: Nein, nur Englisch. Das muss man aber auch können. Montags gehen meine Kollegen aus dem Marketing und ich gemeinsam für drei Stunden zum Unterricht. Gira bietet diesen Englischunterricht allen Mitarbeitern an, die in internationalen Beziehungen arbeiten.

Und das klappt auch in China?

CF: Ja. Obwohl ich mich dieses Jahr gewundert habe, wie wenig Chinesen wirklich Englisch sprechen. Bei der letzten Reise habe ich mir dort übrigens einen Kindheitstraum erfüllt.

Welchen?

CF: Ich war auf der Chinesischen Mauer.

Und wie war’s?

CF: Sehr ernüchternd. Natürlich war die Landschaft atemberaubend. Aber es ist unglaublich steil, und die Stufen sind so ausgewaschen, dass man ziemlich aufpassen muss. Auf den Bildern sieht man die Mauer immer, wenn sie schön leer ist. In Wirklichkeit ist aber nur ein Teil davon geöffnet, und in dem ist es so voll, dass man sich durch die Menge schieben muss.

Sie sind also auch nach 20 Jahren noch zufrieden in Ihrem Job?

CF: Ich finde, dass ich den tollsten Job von allen habe. In der einen Minute beschäftige ich mich mit Singapur und in der nächsten mit den Niederlanden oder mit welchem Land auch immer. Ich habe überhaupt keine Routine. Der Tag ist vorbei, bevor ich auf die Uhr schauen kann.

STECKBRIEF CHRISTIANE FASTENAU


Geboren
1965

Bei Gira seit
1991

Studium
Studium der Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Marketing und Abschluss zur Diplom Ökonomin

Werdegang bei Gira
Christiane Fastenau startete bei Gira im Marketing für das Thema Ländermarketing. Seit 2010 ist sie Leiterin des Bereichs Export-Marketing. Während ihrer Zeit bei Gira absolvierte sie Weiterbildungmaßnahmen in den Bereichen:

- Business English (laufend)
- Interkulturelle Qualifizierung
- Marketing kompakt
- Arbeitsrecht
- Markterfolg in Indien
- Business in China
- Coaching für Führungskräfte
- Präsentationstechnik

[Stand 2012]


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