Abenteuer mit Sicherungsleine

Wie funktioniert die Zusammenarbeit ohne entsprechende Sprachkenntnisse?

Mit Konstruktionszeichnungen und mit Händen und Füßen.

Das klingt verrückt.

Ja, im Nachhinein hab ich das auch manchmal gedacht. Aber das funktioniert. Eine Werkzeugzeichnung wird überall auf der Welt als gleich angesehen, darüber kann man sich sehr gut verständigen. Das machen wir auch heute noch so.

In welchem Bereich haben Sie genau gearbeitet?

Im ersten Monat habe ich in alle Abteilungen reingeschnuppert und danach als Werkzeugmechaniker gearbeitet. Ich bekam den Auftrag, als Vorarbeiter komplette Werkzeuge zu bauen, was ich vorher auch noch nie gemacht hatte. Nach vier Monaten bin ich dann ins Projektmanagement gewechselt.

Haben Sie ab und zu Feedback bekommen, ob man zufrieden mit Ihrer Arbeit ist?

Ich wurde ziemlich oft gelobt, aber für Dinge, von denen ich dachte, das ist doch nichts Besonderes. Einmal habe ich aber auch Ärger bekommen wegen eines kaputten Formeinsatzes. Da stand mein Chef vor mir und hat auf Chinesisch gebrüllt, und ich habe natürlich kein Wort verstanden.

Heißt es nicht immer, dass Chinesen nicht aufbrausend reagieren dürfen, weil sie sonst einen Gesichtsverlust riskieren?

Im Vorfeld wurde mir oft gesagt, dass ich wegen des Gesichtsverlustes aufpassen muss, man soll Chinesen nicht vor anderen Leuten lächerlich machen, vorsichtig sein mit Witzen und sie nicht verbal angreifen. Das konnte ich aber nicht bestätigen. In der Fertigung wurde es durchaus schon mal lauter, wenn auch etwas verhaltener als in Deutschland.

Wo haben Sie gewohnt?

Ich hatte eine Wohnung, 300 Meter vom Unternehmen entfernt. Da habe ich mit einem Leiter aus der Konstruktion zusammengewohnt. Aber das hat nicht so gepasst, unter anderem, weil ich das Gefühl hatte, stark kontrolliert zu werden.

Woran haben Sie das gemerkt?

Mir wurde zum Beispiel einmal nahegelegt, am Wochenende nicht auszugehen, damit ich mich mehr auf die Arbeit konzentrieren könne. Das kennt man natürlich als Europäer nicht. Später habe ich mir dann eine neue Wohnung gesucht.

Haben Sie noch andere Dinge von Land und Leuten gesehen?

Bedingt, einmal war ich in Peking, aber wirklich frei hatte ich ja nur am Sonntag, und da war der Drang, in China herumzureisen, nicht so groß. Aber ich bin am Wochenende oft mit meinen chinesischen Kollegen ausgegangen. Und nachher habe ich einen Australier kennengelernt, mit dem ich viel unterwegs war. Im Nachbarort gab es die „Europabar“, da haben sich die Ausländer der Umgebung getroffen.

Ihre chinesischen Kollegen waren dann nicht dabei?

Nein, ich hatte öfter mal dorthin eingeladen, aber das wollten die meisten Kollegen nicht.

Ist es nicht generell schwierig, sich näher kennenzulernen? Schon wegen der Mentalitätsunterschiede?

Einen Kollegen hatte ich, der hat mir vieles anvertraut. Aber generell sind Chinesen schon distanzierter im Privatleben. Und wirklich auffallend anders war der Humor. Europäer lachen über ganz andere Dinge.

Welche Aspekte Ihres Aufenthaltes sind Ihnen am lebendigsten in Erinnerung geblieben?

Essen war ein großes Thema. Am Anfang konnte ich vieles einfach nicht essen. Irgendwann dachte ich aber: Die Chinesen leben ja auch noch alle. Und dann habe ich angefangen richtig zuzulangen und habe alles probiert. Außer Hund.

Auch Krokodilfleisch?

Ja. Das schmeckt. Wenn man sich einmal überwunden hat, dann ist das eigentlich echt lecker. Trotzdem hatte ich aber auch mal Magenprobleme. Da kam wohl alles zusammen. Die Anspannung, und dann war das Essen teils zu scharf …

Und dann mussten Sie auch noch einen Karaoke-Abend durchstehen.

Ja, das war zu National Holidays, und davor gab es diese Feier mit dem Karaoke-Abend. Da haben meine Kollegen mich auf die Bühne geholt, und ich musste vor 450 Mann singen.

Das klingt wirklich nach Kulturschock. Würden Sie trotzdem sagen, dass sich dieses eine Jahr in China für Sie gelohnt hat?

Das Jahr hat sich definitiv für mich gelohnt, in vielerlei Hinsicht. Privat natürlich, allein wegen der Erfahrung, weil es mich ein Stück weit unabhängiger und selbstständiger gemacht hat. Und auch in beruflicher Hinsicht, weil es mich in die Richtung gelenkt hat, in die ich wollte.

(Stand 2012)

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Clas Vesper über Vorbereitungen zu seinem Auslandsaufenthalt,
über seine Erlebnisse in China und mit den Menschen dort.

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Steckbrief

Geboren

1983

Bei Gira seit

2001

Ausbildung

zum Werkzeugmechaniker mit Fachrichtung Formentechnik

Werdegang bei Gira

Nach eineinhalb Jahren Weiterarbeit im Unternehmen ging Clas Vesper für ein Jahr nach Schanghai, China. Nach der Rückkehr arbeitete er als Projektbearbeiter in der Werkzeugbereitstellung, betreute dabei die internationale Werkzeugbeschaffung. Seit 2011 ist er Projektleiter im Kunststoffzentrum.

Aktuelle Weiterbildungsmaßnahme

Zusätzlich zu seinen Tätigkeiten im Unternehmen absolviert Clas Vesper derzeit eine Technikerausbildung in der Fachrichtung Maschinenbautechnik.

(Stand 2012)

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