Computernerd mit Zukunftsvisionen

Ein bisschen weht hier auch der Wind aus den Anfangstagen des Internets mit, oder?

Ja, die gesamte Entwicklung der Funktionswelt war sehr stark durch einen Austausch zwischen Produktentwicklung, Produktmanagement und Kunden geprägt. Sehr früh kam der Gedanke auf, dass Kunden doch auch zu „Mittätern“ werden könnten. Diese wussten, was sie brauchen, konnten Ideen, die wir dann ins Produkt haben einfließen lassen, selbst mitgenerieren.

Im Sinne eines Open-Source-Projektes wie zum Beispiel beim Mozilla Firefox?

Ein bisschen, obwohl wir natürlich ein gewinnorientiertes Unternehmen sind und keine gemeinnützige Organisation. Aber damals haben wir erstmalig ein Testerforum aufgebaut, in das sich auch die User, also die Besitzer eines HomeServers, mit eingebracht haben. Ab der Version HomeServer 2, so um 2004/05 herum, entstand sogar eine richtige Community. Das brachte dann den Modularitätsgedanken mit sich. Es war nicht mehr so wie früher, dass Produkte entwickelt und geliefert wurden, und das war es dann. Der HomeServer wurde zu einem Produkt, das man permanent in kleinen und großen Steps weiterentwickelte.

Und wie ist es heute?

Mittlerweile hat der HomeServer ein richtiges Eigenleben entwickelt. Im Ganzen gibt es rund 400 bis 500 Bausteine im Markt, die nur von Usern geschrieben und zur Verfügung gestellt werden.

Der HomeServer ist auf dem Markt also zu einer etablierten Größe geworden. Und jetzt haben Sie sich nach neuen Betätigungsfeldern umgeschaut?

Das Konzept für meinen neuen Bereich, den wir „Anwendungen und Kooperationen“ genannt haben, ist eigentlich nicht so weit vom Prinzip des HomeServers entfernt. Es geht in erster Linie darum, Anwendungen zu schaffen und zu beschreiben, wir wollen damit vereinfachen, noch kundenorientierter denken. In Teilen heißt das auch, wegzukommen von diesem Gedanken, dass mit jeder neuen Funktion auch ein neues Produkt entstehen muss. In manchen Fällen müssen einfach nur zwei Produkte zusammengefügt werden, um eine neue Anwendung zu erhalten.

Und das Thema Kooperationen?

Ist ähnlich gelagert. Das Haus besteht aus vielen Gewerken, und wir können nicht alle abdecken. Also arbeiten wir mit anderen zusammen – zum Beispiel mit Viessmann, Revox, Dornbracht oder Miele – und schaffen entsprechende Schnittstellen, damit die Gewerke optimal ineinandergreifen. Auch hier gilt es wieder, Überzeugungsarbeit zu leisten. Da werden noch so manche Krusten aufzubrechen sein, sei es auf Verbandsebene, auf Installationsebene oder bei der Industrie- und Handelskammer.

Ihr Enthusiasmus hat sich anscheinend also auch nach all den Jahren noch nicht abgenutzt.

Nein, ich habe nur mehr Erfahrungen gesammelt, einen anderen Blickwinkel auf die Dinge bekommen. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass man nur Dinge bewegen kann, wenn man etwas bewegt. Visionen sind die Gegenwart der Zukunft. Ein ziemlich wichtiger Part dabei ist selbstverständlich das Vertrauen, das das Unternehmen in einen setzt. Aber man muss auch Visionen haben, an die man glaubt.

(Stand 2012)

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Markus Fromm-Wittenberg über die Anfangstage des HomeServers,
über heutige Entwicklungen und neue Betätigungsfelder.

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Steckbrief

Geboren

1964

Bei Gira seit

1992

Ausbildung

zum Elektroinstallateur, danach Erlangung der Fachhochschulreife über den zweiten Bildungsweg

Studium

Der Informationstechnik an der Fachhochschule Osnabrück mit dem Schwerpunkt Automatisierungstechnik. Abschluss zum Dipl. Ing. (FH)

Werdegang bei Gira

Bei Gira arbeitete Markus Fromm-Wittenberg zunächst im technischen Vertrieb und wechselte 1997 ins Produktmanagement für das Geschäftsfeld Gebäudesystemtechnik KNX/EIB. Seit 2009 leitet er den neuen Bereich „Anwendung und Kooperation Gebäudesystemtechnik“. Während der gesamten Zeit bei Gira absolvierte er diverse Weiterbildungsmaßnahmen in den Bereichen Verkauf, Präsentation, Englisch, Netzwerktechnik, Bussysteme wie LON und KNX sowie in Mitarbeiterführung.

(Stand 2012)

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