Grenzerfahrung mit Rückendeckung

Mit nur 29 Jahren leitet Sebastian Marz das vielleicht größte Organisationsprojekt von Gira: die Einführung von SAP als leitende Software für sämtliche Geschäftsprozesse im Unternehmen. „Keine ganz gewöhnliche Aufgabe“, sagt der Industriekaufmann und Wirtschaftsingenieur, der schon mit 24 Jahren die Assistenz der Geschäftsführung übernahm. „Aber eine, die zu schaffen ist – wenn der Rückhalt im Unternehmen stimmt.“

Herr Marz, besonders vor der Einführung von SAP haben viele Unternehmen großen Respekt. Warum ist das so?

Sebastian Marz: Aus Sicht der Unternehmensleitung sicherlich wegen der Kosten. Aber auch die Mitarbeiter entwickeln Ängste: Wegen der Umstellung und der großen Belastung, die damit einhergeht. Man dreht in jedem Bereich das ganze System einmal auf links. Viele gewohnte Arbeitsabläufe werden in so einem Projekt verändert. Gira hat das aktuelle Softwaresystem vor 25 Jahren eingeführt, da kann man sich vorstellen, wie viel Arbeit das ist.

Es heißt immer so schön, dass schon Firmen an SAP pleitegegangen sind.

Wenn man solche Horrorszenarien hört, handelt es sich ja meistens um Unternehmen, die nicht mehr richtig gesund waren und SAP vielleicht noch nutzen wollten, um ihre Geschäftsprozesse zu optimieren. Trotzdem kann ein großes, anspruchsvolles und komplexes Projekt wie dieses ein Unternehmen durchaus mal an seine Grenzen bringen.

Setzt Sie das als Projektleiter nicht enorm unter Druck? Mit 29 Jahren gehören Sie ja noch zu den jüngeren Gira Mitarbeitern.

Ich verspüre bei dem Thema ganz spezielle Verantwortung für die Kollegen und auch für das gesamte Unternehmen, ich weiß ja, was daran hängt. Es gibt Momente, da geht das auch schon mal über die Schmerzgrenze hinaus.

Wie gehen Sie und Gira damit um?

In dieser Situation ist es wichtig, dass es Leute gibt, die mir helfen, einen anderen Blickwinkel auf die Sache zu werfen oder noch mal einen Schritt zurückzugehen. Seit Beginn des Projekts steht mir ein erfahrener externer Berater zur Verfügung, der mich bei schwierigen Themen unterstützt. Zum anderen habe ich aber auch feste Ansprechpartner in der Geschäftsleitung und Personalabteilung, auf die ich zählen kann.

Was gehört konkret zu Ihren Tätigkeiten im Projekt?

Das ist eigentlich die klassische Projektmanagement- Tätigkeit, nur in einer recht umfassenden Größenordnung. Zu Beginn haben wir in einem kleineren Kreis erst mal die Projektstrukturen geschaffen, dann ging es um die Budget- und Zeitplanung. Hat ein Teilprojekt Probleme mit den Dienstleistern, die wir für die SAP-Einführung beauftragt haben, unterstütze ich bei der Problemlösung. Zusätzlich begleite ich die Testfälle, um die Integration des Systems gemeinsam mit den Teilprojektleitern sicherzustellen.

„Ich verspüre bei dem Thema eine ganz spezielle Verant- wortung für die Kollegen…”

- Sebastian Marz

Gegen Ende wird es dann auch noch mal richtig spannend, oder?

Ja, denn irgendwann muss ich zusammen mit meinen Kollegen eine Empfehlung zur Go-life-Entscheidung gegenüber der Geschäftsführung aussprechen, nach der Gira anfängt, komplett mit dem System zu arbeiten. Dabei gilt es, die Risiken ganz genau abzuwägen. Der Betrieb muss problemlos weiterlaufen, sodass unsere Kunden lückenlos beliefert werden können. Das hat die höchste Priorität.

Lesen Sie auf Seite 2:

Sebastian Marz über Herausforderungen und die Kunst, den Überblick zu behalten

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