Kunststoffkenner mit Forschergeist

Bernhard Hoster ist Technologiemanager im Geschäftsfeld Kunststofftechnik bei Gira. Der Experte hat nicht nur verschiedene leitende Positionen in der Region, sondern auch schon in Japan, China und der Türkei innegehabt. Zudem war er lange Zeit als Dozent an der Hochschule tätig. An Forschung und Entwicklung zu arbeiten und das Fachwissen in die Industrie einzubringen – die Kombination war ihm immer besonders wichtig. Das verfolgt er auch bei Gira weiter. Denn Innovation und Kunststoff gehören für Hoster untrennbar zusammen.

Sie sind ein angesehener Experte auf dem Gebiet der Kunststofftechnik, insbesondere der Duroplaste. Wie kam es dazu?

Bernhard Hoster: Das fing schon mit dem Studium an. Ich habe in Iserlohn an der Fachhochschule Kunststofftechnik studiert und meine Diplomarbeit im Bereich Duroplast geschrieben. Dann war ich am Aufbau des Kunststoffinstitutes in Lüdenscheid beteiligt, habe dort die Abteilung Duroplaste geleitet. Später habe ich die Firma Iserlohner Kunststoff-Technologie [ISK] gegründet und war für diese weltweit unterwegs. Ich war zwei Jahre bei Siemens in Istanbul, habe geholfen, dort eine Duroplast- und Thermoplastfertigung aufzubauen. Dann war ich für Siemens noch in China. Viele wissen das gar nicht, ich habe nicht nur im Bereich der Duroplaste, sondern fast genauso viel im Thermoplastbereich gearbeitet. Allerdings ist Duroplast in der Kunststoffszene nur ein kleiner Bereich, dadurch ist meine Arbeit wesentlich bekannter geworden. Für Thermoplaste gibt es viel mehr Experten, da ist es schwieriger, sich einen Namen zu machen.

Sie waren auch lange Zeit nebenbei als Dozent an der Hochschule tätig. Was hat das für Sie bedeutet?

Das war mir immer sehr wichtig und hat auch für viel Inspiration gesorgt. Die Firma ISK, bei der ich Geschäftsführer war, hat das Kunststoffverarbeitungslabor mit dem Technikum in Forschung und Entwicklung unterstützt. Mitarbeiter wurden im Drittmittelbereich finanziert, entsprechendes Equipment von der ISK für die Forschungsprojekte bereitgestellt. So hatte ich immer einen Zugriff auf Diplomanden und konnte neue Technologien entwickeln, sowohl für Thermo- als auch für Duroplaste. Und diese Kombination – in Forschung und Entwicklung zu gehen, das aber auch in die Industrie reinzutragen – war ein Riesenvorteil.

Wofür stehen Kunststoffe für Sie?

Kunststoffe sind sehr moderne und innovative Werkstoffe, mit denen man unheimlich viel machen kann. Es lassen sich für Gira moderne Designs und Oberflächen ableiten, die durch Kombinationen verschiedener Verfahren neue Entwicklungstrends setzen. Im Bereich der Smart Plastics werden beispielhaft Elektronik und Kunststoff zusammengeführt. Auch die Kombination von Kunststoff und Metallen ist möglich. In der Automobilindustrie wird dies bereits zur Gewichtsreduzierung genutzt. Die Kombination verschiedener Werkstoffe spielt dabei eine große Rolle. In den Kunststoffmaterialien und Verarbeitungsverfahren liegt ein großes Innovationspotenzial. Also ganz klar – Innovation und Kunststoff gehören zusammen. Das sieht man auch daran, dass der Kunststoffanteil in allen Bereichen wächst.

„Es geht Gira darum, Dinge nach vorne zu treiben, aber vernünftig, nicht übereilt.”

- Bernhard Hoster

Es gibt aber auch Umweltprobleme, die mit den Kunststoffen verbunden sind. Die Meere werden zunehmend damit verschmutzt. Grübeln Sie manchmal darüber?

Natürlich denke ich darüber nach. Da wird vieles getan, auch bei Gira. Wenn wir neue Werkzeuge bauen, versuchen wir die so zu konstruieren, dass keine Angussabfälle mehr entstehen. Außerdem wird jetzt eine Recyclinganlage eingeführt. Das bedeutet, die Angüsse, die wir aus Altlasten noch haben, mahlen wir ein und nutzen sie für neue Produkte. Aber es gibt auch ganz neue Wege. Die Forschung versucht, Kunststoffe zum Beispiel aus Biopolymeren herzustellen. Zum Beispiel Polyamide, die aus Rizinusöl hergestellt werden. Das ist im Prinzip ein technischer Kunststoff aus Pflanzen. Die Anforderungen sind jedoch noch nicht so weit erfüllt, wie wir sie brauchen. Aber es wird weitergehen. Auch Recyclingmaterial wird bei Gira zukünftig eine immer größere Rolle spielen, da die Eigenschaften der Materialien immer weiter verbessert werden.

Lesen Sie auf Seite 2:

Bernhard Hoster über die Vorteile des Standorts Radevormwald

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Bernhard Hoster über Inspiration und Innovation
sowie die Vorteile des Standorts Radevormwald.

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