Pioniere mit Vertrauensvorschuss

Gira hat im Jahr 2002 die Türsprechanlage im Schalterprogramm erfunden und damit die Welt der Gebäudetechnik revolutioniert. André Dornseiff, Senior-Hardwareentwickler und Hartmut Heinbach, Programmierer für hardwarenahe Software/Firmware sind die Männer der ersten Stunde: Beide zeichnen verantwortlich für die Entstehung eines Marktsegments, das Gira bis heute hohe Wachstumsraten und Umsätze in Millionenhöhe beschert. Gemeinsam mit Frank Schimmelpfennig, Leiter Elektronikentwicklung bei Gira, sprechen die beiden über die großen Herausforderungen im Projekt, über Ideenentwicklung in technischen Berufen und den besonderen Moment, in dem das kreierte Produkt die Bühne der Öffentlichkeit betritt.

Meine Herren, worin lag die große Herausforderung bei der Idee der Türsprechanlage im Schalterprogramm?

Frank Schimmelpfennig: Die Pionierarbeit lag darin, die Hardware so klein zu bekommen, dass sie in die klassische Unterputzdose passt. Miniaturisierung war damals in dem Maße nicht bekannt. Der zweite Punkt war die Akustik der Freisprechanlage. Experten sagten uns: Das ist nicht lösbar. Ihr werdet Mikrofon und Lautsprecher nicht ohne Rückkopplungen so dicht nebeneinander platzieren können.

André Dornseiff: Die Sprechanlagen der Wettbewerber hatten schon ziemlich üppige Maße. Von daher war die Miniaturisierung wirklich die Herausforderung.

Hartmut Heinbach: Vor elf Jahren waren die Bauteile noch nicht so klein, wie man das heute von Mobiltelefonen kennt. Man kann sagen: Fünf Jahre vorher wäre es definitiv unmöglich gewesen, unsere Idee zu realisieren.

Neben der Innovation der Türsprechanlage im Schalterprogramm haben Sie auch gleich weitere Neuerungen eingeführt, die bis heute patentrechtlich geschützt sind.

André Dornseiff: Ja, wir haben dazu noch den modularen Aufbau entwickelt, so etwas gab es bislang nicht. Damit kann der Installateur beliebig die Positionen von Bedieneinheit, Ruftasten und Lautsprecher wählen und diese, wenn gewünscht, zudem noch nebeneinander statt untereinander montieren.

Hartmut Heinbach: Auch auf die Inbetriebnahme haben wir ein Patent angemeldet. Nach dem vorher bekannten Verfahren musste man mit zwei Leuten gleichzeitig auf der Baustelle stehen, um Tür- und Wohnungsstationen in Betrieb zu nehmen. Mit dem Gira System kann das einer allein machen.

Ihre Entwicklungsarbeit startete also im Jahr 2000. Wie sah das konkret aus?

André Dornseiff: Zu dieser Zeit kam von dem damaligen Geschäftsführer der Satz: „Machen Sie mal Türkommunikation.“ Dann konnten wir lange Zeit erst mal in Ruhe arbeiten. Die Geschäftsführung hatte natürlich großes Interesse an dem Projekt, doch es war nicht so, dass ständig gefragt wurde: „Herr Dornseiff, wie sieht es denn aus, wann können wir liefern?“

Das bedeutet, Sie konnten Ihre volle Energie ins Thema stecken, obwohl Sie gar nicht wussten, ob etwas dabei herauskommt? Das ist für Gira ja auch ein Risiko, oder?

Frank Schimmelpfennig: Das Risiko war schon sehr hoch, keiner wusste, ob das wirklich machbar ist.

André Dornseiff: Dass etwas dabei herauskommen würde, war schon sehr wahrscheinlich, nur ob das mit dem Freisprechen und dem kleinen Aufbau klappen würde, konnten wir über einen längeren Zeitraum nicht wirklich abschätzen.

Trotzdem haben Sie beide die ganze Zeit über Ihre volle Power da hineingesteckt. Ist das nicht der Traumjob für jeden Entwickler?

Hartmut Heinbach: Wir wurden schon von der ersten Stunde an von unserem eigenen Ehrgeiz gepackt. Wir wollten wirklich das beste Türkommunikations- System entwickeln, das in Deutschland auf dem Markt ist. Und am Ende ist uns das ja auch gelungen.

„Wir wollten das beste Türkommunikations-System entwickeln, das in Deutschland auf dem Markt ist.”

- Hartmut Heinbach

Welchen Zeitplan hatten Sie sich gesetzt?

Hartmut Heinbach: Wir hatten einen sehr ehrgeizigen Zeitplan aufgestellt, den wir auch gehalten haben. Das System wurde in zweieinviertel Jahren entwickelt, Ziel war die Präsentation auf der Light + Building 2002. Das war schon eine Leistung, wenn man bedenkt, für wie viele Gerätekomponenten allein Software entwickelt werden musste. Das schafft man nicht fünf Mal im Leben.

Wegen des Schlafmangels?

Hartmut Heinbach: Na mit den Gedanken waren wir schon Tag und Nacht bei der Sache, auch am Wochenende. Auf der anderen Seite erinnere ich mich aber auch gerne an diese Zeit, weil das nicht alltäglich ist, in einem Team eine solche Leistung gut hinzubekommen.

André Dornseiff: Mir ging das ähnlich. Meine Familie zeigte zum Glück Verständnis, wenn ich gedanklich oft beim Projekt war. Das war schon eine Ausnahmesituation.

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André Dornseiff und Hartmut Heinbach über emotionale Momente und Ideenentwicklung

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André Dornseiff und Hartmut Heinbach über die Herausforderungen des Projekts
über Ideenentwicklung und besondere Freiheiten im Berufsalltag.

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