Pioniere mit Vertrauensvorschuss

Mit welchen Problemen haben Sie besonders gekämpft? Wie haben Sie zum Beispiel das Thema mit der Freisprechanlage in den Griff bekommen?

André Dornseiff: Das haben wir letztendlich mit der Einrichtung einer elektronischen Sprachwaage in den Griff bekommen, obwohl das nach der Applikation laut Datenblatt erst mal nicht funktioniert hätte. Auch mit der Beleuchtung der Ruftaster hatten wir zu kämpfen. Letztendlich kamen wir auf die LED-Technologie mit Lichtleitern, wie das ja heutzutage auch üblich ist. Damals war das aber bei Türsprechanlagen noch nicht verbreitet.

Hartmut Heinbach: Ich habe mich unter anderem ziemlich lange mit dem begrenzten Speicher der Mikrocontroller beschäftigt. Wir hatten bei der Implementierung der Türkommunikations- Firmware lediglich zwei Kilobyte Speicher zur Verfügung, und das war einfach zu wenig. Wir hatten in einem Gerät 105 % Füllstand. Und wenn Sie eine Software schon fünf Mal optimiert haben, wird es immer schwieriger, noch etwas zu finden, was optimiert werden kann. In dem Fall habe ich mich eine Woche lang hingesetzt und nach Code gesucht, den ich einsparen könnte.

Wie hat sich das angefühlt, als das System dann tatsächlich reif für die Messepräsentation war?

André Dornseiff: Das war natürlich ein toller Auftritt auf der Light + Building 2002. Als die Kunden kamen, gab es erst mal eine Menschentraube an den Präsentationswänden, das war proppenvoll, man kam nicht durch. Die Leute waren begeistert, das war aus vielen Gesprächen herauszuhören. Vor allem, weil wir direkt die Video-Funktion mitgezeigt hatten.

Das ist ja bestimmt ein ganz emotionaler Moment, wenn man das eigene Baby dann auf dem Markt sieht, oder?

André Dornseiff: Da gibt es schon eine gewisse Euphorie.

Hartmut Heinbach: Ja, Baby, das ist das passende Wort. Das ist wie Kinder großziehen und geht mit Schmerzen einher.

Das System war ja auch am Markt ziemlich schnell erfolgreich.

Hartmut Heinbach: Ja, wir waren von Beginn an kommerziell erfolgreich. Da entstand ein komplett neues Geschäftsfeld für Gira, und trotzdem gab es schon 2003, als die Geräte lieferfähig waren, wirklich gute Umsätze.

Wenn Sie mal generell die damalige Arbeitssituation mit der heutigen Zeit vergleichen, hat sich viel geändert?

André Dornseiff: Nein, im Prinzip nicht, obwohl die Arbeitsteilung auch in unserem Bereich weiter fortgeschritten ist. Früher waren weniger Mitarbeiter für vieles zuständig. Das geht jetzt natürlich nicht mehr so, das Unternehmen wächst ja auch.

Frank Schimmelpfennig: Wir haben natürlich, wie andere Firmen auch, diesen Spagat zu leisten zwischen Effizienzerhöhung und Kreativität, die auch Freiraum und lockeres Arbeiten benötigt. Der Druck ist auch bei uns höher geworden, generell würde ich aber sagen, wir schaffen das noch immer gut. Und wenn aus der Technik heraus eine gute Idee entstanden ist, begeistern wir früher oder später auch den Produktmanager davon.

Es könnte also auch einer von Ihnen mit einer ganz neuen Idee hergehen und sagen: Ich möchte das gerne mal ausprobieren?

André Dornseiff: Ja, 10 % unserer Arbeitszeit dürfen wir zum Ausprobieren eigener Ideen verwenden.

Das ist ja wie bei Google. Fast.

Hartmut Heinbach: Das ist schon sehr außergewöhnlich. Bei uns steht auf dem Papier, dass wir das dürfen, die Freiräume, um ein bisschen querzudenken, sind von der Geschäftsleitung ausdrücklich gewünscht.

Frank Schimmelpfennig: Natürlich ist es in der täglichen Praxis manchmal schwierig, die 10 % Zeit tatsächlich zu finden. Da obliegt es dann der einzelnen Organisationseinheit, ihren Leuten den Rücken freizuhalten.

André Dornseiff: Es haben sich auch andere Dinge herausgebildet, zum Beispiel ein Kreativitätskreis. An vier Nachmittagen im Jahr treffen sich rund 100 Kollegen aus der Entwicklung und dem Produktmanagement, um unter der Leitung von ausgewählten Referenten über Innovationen, Ideenentwicklung und neue Kreativitätstechniken zu sprechen.

Dann könnte ja schon sehr bald die nächste Revolution aus der Taufe gehoben werden.

Hartmut Heinbach: An Ideen ist jedenfalls nie Mangel. Ich hätte jetzt gerade fünf bis zehn Themen, bei denen ich mal genauer nachschauen müsste. Das bringt unser Beruf ja auch mit sich, dass durch den stetigen technologischen Wandel auch ständig viele neue Lösungsmöglichkeiten da sind.

André Dornseiff: Um diese Themen kümmern wir uns aber auch in unseren gruppen- oder abteilungsinternen Projekten, die nur für zukünftige Produkte gedacht sind. Für mich könnte das nächste System kommen.

(Stand 2012)

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André Dornseiff und Hartmut Heinbach über die Herausforderungen des Projekts
über Ideenentwicklung und besondere Freiheiten im Berufsalltag.

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Steckbrief

Geboren

1967

Bei Gira seit

1995

Studium

der Elektrotechnik an der Ruhr-Universität Bochum

Werdegang bei Gira

André Dornseiff begann als Hardware-Entwickler und Hardware-Systementwickler bei Gira und arbeitet seit 2000 verstärkt im Bereich Türkommunikation. Seit 2010 ist er Senior-Hardwareentwickler und verantwortlich für die fachliche Teamführung der Hardware-Elektronikentwicklung.

Während seiner Zeit bei Gira absolvierte er Weiterbildungsmaßnahmen in den Bereichen:

  • EDA-Tool Altium Designer
  • Elektronische Videotechnik
  • Schaltungssimulation mit Spice
  • Störfestigkeit und CE-Kennzeichnung
  • EMV-gerechtes Gerätedesign
  • CAD-Layout und Leiterplattentechnologie
  • Testverfahren und Teststrategien in der Elektronik
  • Diverse Maßnahmen zu Soft Skills, wie Kommunikation, Konfliktmanagement, Moderation und Präsentation

Aktuelle Weiterbildungsmaßnahme

Derzeit absolviert André Dornseiff ein Grundlagentraining für Führungskräfte.

(Stand 2012)

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